Startup- und Scaleup-Strategie: neue Förderchancen für junge Unternehmen

KI generiert

Mit ihrer neuen Startup- und Scaleup-Strategie richtet die Bundesregierung die Förderpolitik stärker auf den gesamten Entwicklungsweg innovativer Unternehmen aus. Die Kabinettsvorlage vom 20. Juli 2026 umfasst 152 Maßnahmen in acht Handlungsfeldern. Im Fokus stehen nicht mehr allein Gründung und frühe Forschung, sondern zunehmend auch Transfer, Markteinführung, Industrialisierung und internationale Skalierung.

Für innovative Unternehmen ist das grundsätzlich eine positive Entwicklung. Besonders technologie- und forschungsintensive Vorhaben benötigen häufig über mehrere Jahre erhebliche finanzielle Mittel, z. B. für Forschung und Entwicklung (FuE), Labore, Prototypen, Pilotanlagen, Demonstratoren, Zulassungen oder den Aufbau erster Produktionskapazitäten. Genau an diesen Übergängen entstehen oftmals Finanzierungslücken.

Es handelt sich zunächst allerdings nur um eine politische Arbeitsagenda. Die angekündigten Maßnahmen der Startup- und Scaleup-Strategie müssen noch konkretisiert, finanziell unterlegt und teilweise gesetzgeberisch umgesetzt werden. Zudem stehen die Vorhaben unter Haushalts- und Finanzierungsvorbehalten sowie den Vorgaben des EU-Beihilferechts. Die Umsetzung soll innerhalb der laufenden Legislaturperiode erfolgen. Viele der Maßnahmen sind kurzfristig also noch nicht verfügbar, obwohl der Handlungsdruck der innovativen Startups sehr hoch ist.

Fördermittel über den gesamten Entwicklungsweg planen

Eine zentrale Botschaft der Startup- und Scaleup-Strategie ist die stärkere Verzahnung unterschiedlicher Finanzierungsinstrumente. Neben Beteiligungskapital werden Zuschüsse, Garantien, Nachrangfinanzierungen und sektorspezifische Programme berücksichtigt.

Für Unternehmen ist besonders wichtig, nicht nur den nächsten verfügbaren Zuschuss zu beantragen, sondern eine mehrjährige Finanzierungs- und Förderstrategie zu erarbeiten. Zuschüsse und Forschungszulage können beispielsweise die FuE-Phase unterstützen, während andere Instrumente für Demonstration, Investitionen, Markteinführung oder Skalierung relevant werden. Das gilt insbesondere für DeepTechs sowie technologie- und forschungsintensive Unternehmen, etwa in den Bereichen KI und Softwareentwicklung, Biotechnologie und Gesundheit, Cybersecurity, Energie- und Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.

Startup- und Scaleup-Strategie: Neue Ansätze für FuE, Transfer und Marktreife

Die Startup- und Scaleup-Strategie umfasst jedoch auch sehr spezifische und kurzfristig verfügbare Maßnahmen. Eine konkrete Förderperspektive bietet das angekündigte Programm „Tech-to-Product“. Es soll produktorientierte FuE-Projekte im Bereich digitaler Technologien nach dem „Proof of Concept“ bis zur vorkommerziellen Marktreife unterstützen. Ein erster Förderaufruf ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.

Auch EXIST soll weiterentwickelt werden. Neben schnelleren Verfahren beim EXIST-Gründungsstipendium sind unter anderem eine EXIST Academy und eine „ready to Invest“-Komponente bei EXIST-Forschungstransfer vorgesehen. Gerade bei wissenschaftsbasierten und DeepTech-Ausgründungen kann dadurch die Verbindung zwischen Transferförderung, Unternehmensgründung und anschließender Wachstumsfinanzierung wichtiger werden.

Zusätzlich sollen Kooperationen zwischen Startups und etablierten Unternehmen stärker unterstützt werden. Unter anderem ist ein besonderer Förderaufruf im Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) vorgesehen. Dadurch können gemeinsame Förderstrategien für Startups, Mittelständler, Forschungspartner und Pilotkunden an Bedeutung gewinnen.

Forschungszulage: Verfahren sollen digitaler werden

Bei der Forschungszulage sieht die Startup- und Scaleup-Strategie keine inhaltliche oder finanzielle Erweiterung vor. Geplant ist jedoch, das Antragsverfahren bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage durch souveräne KI-Anwendungen zu vereinfachen. Erste Anwendungen sollen im ersten Halbjahr 2027 bereitgestellt werden.

Skalierung wird zum zentralen Förderthema

Die Startup- und Scaleup-Strategie legt einen stärkeren Fokus auf die Phase nach erfolgreicher Forschung und Produktentwicklung. Reallabore, Pilotierung, Demonstration und regulatorische Erprobung sollen gestärkt werden. Gleichzeitig kündigt die Strategie neue/ausgebaute Finanzierungsansätze für Scaleups an.

Auch die Förderverfahren selbst sollen einfacher werden. Die Förderzentrale Deutschland soll zur zentralen Plattform ausgebaut werden. Bis Ende 2027 werden eine durchgängig digitale und medienbruchfreie Antragstellung und Bearbeitung angestrebt. Unter „Startup Germany“ sollen Programme und Unterstützungsangebote transparenter miteinander vernetzt werden.

Für Unternehmen kann die Programmsuche damit künftig einfacher werden. Die strategische Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Welches Instrument passt zu welcher Entwicklungsphase? Welche Förderungen lassen sich kombinieren? Welche beihilferechtlichen Grenzen sind zu beachten? Und welche heutige Entscheidung kann spätere Förderoptionen beeinflussen?

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